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TU Berlin

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Wirtschaftspraktiken

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Lokale Konventionen des Friseurwesens: Städtische Eigenlogik in Wirtschaftspraktiken

Das Projekt, das von Nina Baur  und Martina Löw geleitet wird, verknüpft das Konzept der „Eigenlogik der Städte“ mit der Ökonomie der Konventionen und untersucht am Beispiel einer Wirtschaftsbranche (dem Friseurwesen), wie sich die jeweilige Stadt strukturierend für die Wirtschaft zeigt, d.h. ob und wie ökonomische Handlungsabläufe über lokale Konventionen sinnhaft organisiert werden. Da sich in den ersten zwei Jahren des Projektverlaufes gezeigt hat, dass sich die Wirtschaftspraktiken von Stadt zu Stadt unterscheiden, soll nun im dritten Jahr die quantitative Erhebung fortgesetzt und die theoretische Integration geleistet werden. Die Eigenlogiken der Städte können über die Art der Wirtschaftspraktiken, die von der jeweiligen Stadt beeinflusst werden, spezifiziert werden. Die Stadt wird entsprechend nicht als passiver Resonanzkörper, sondern auch als aktiv auf die Wirtschaft einwirkender Faktor untersucht.

Die Friseurbranche wurde als kritischer Fall gewählt, da es sich um einen hochgradig standardisierten, in allen Städten mit genügend Unternehmen vertretenen Wirtschaftsbereich handelt, in dem scheinbar ortsunabhängig gewirtschaftet wird.

In den ersten beiden Jahren wurde mit Hilfe von Verlaufsmusteranalysen die Reproduktion von wirtschaftlichen Leitmotiven untersucht. Parallel hierzu wurden Ethnografien in je zwei wirtschaftlich erfolgreichen Friseuren pro Stadt aus kontrastierenden Marktsegmenten (Quartiersfriseur vs. professionalisierter Stadtfriseur) durchgeführt.

Wir konnten zeigen, dass (unabhängig vom Marktsegment) (1) stadtspezifische Glaubenssätze existieren, was als „ökonomisch rational“ in dem Sinne gilt, dass es zu wirtschaftlichen Erfolg führt. Diese Weltsichten reproduzieren sich pfadabhängig (path-dependent) über die Zeit und schlagen sich nieder in typischen lokalen (2) Konventionen des Handelns – Handlungsroutinen und typischen Muster, um Handlungsanforderungen zu lösen - insbesondere Formen der (Arbeits-) Organisation des Friseursalons –; (3) Kommunikations- und Interaktionsformen mit dem Kunden oder unter dem Personal sowie in (4) Raum-Zeitarrangements.

Die konkrete Ausgestaltung dieser Konventionen wurde für jede Stadt einzeln ausgearbeitet, systematisiert und zu Hypothesen verdichtet, die im hier beantragten dritten Jahr mit Hilfe einer standardisierten Befragung überprüft werden sollen.

Da sich die bislang gebildeten Hypothesen vor allem auf ökonomische Praktiken auf der Mikroebene beziehen, soll ein zweiter Fokus auf der Makroebene liegen, d.h. den Fragen, ob und wie das Feld strukturiert und in die städtische Wirtschaft und Sozialstruktur eingebettet ist, wie sich die Unternehmenspopulationen in Marktsegmente unterteilt, wie Produzenten-Zuliefer-Netzwerke und Wettbewerbsstrukturen lokal ausgestaltet sind sowie wie der Markt räumlich strukturiert ist. Leitgebend ist die Idee, dass sich auch diesbezüglich die Städte unterscheiden könnten.

Schließlich soll im dritten Jahr ein Fokus auf der theoretischen Integration auf Projektebene sowie auf der Ebene des Paketantrags liegen.

Projektverbund

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Das Projekt ist Teil des DFG-Projektverbunds PAK 659 „Eigenlogik der Städte“. Der Projektverbund „Eigenlogik der Städte“ hat sich das Ziel gesetzt, Städte als auf spezifische Weise vergesellschaftende Einheiten zu untersuchen. „Stadt“ wird vom Projektverbund raumtheoretisch als Form definiert, die sich nach Dichte und Heterogenität unterscheidet und auf verschiedene Weise Menschen in stadtbezogene Sinnkontexte inkludiert. Die These lautet, dass sich in jeder Stadt spezifische und unterscheidbare Konstellationen zusammenhängender Wissensbestände und Ausdrucksformen herausbilden, die Menschen in ihren Praktiken auf unterschiedliche Weise prägen. Der Begriff der Eigenlogik der Städte erfasst diese verborgenen Strukturen von Städten als vor Ort eingespielte, zumeist stillschweigend wirksame präreflexive Prozesse der Sinnformung mitsamt ihrer körperlich-materiellen Einschreibung.

Die Eigenlogik der Städte kann nur vergleichend untersucht werden. Gegenstand der Arbeit des Projektverbunds wird es daher sein, an Fallbeispielen zu diskursiven und materiellen Praktiken im Vergleich je zweier deutscher und britischer Städte (Dortmund, Frankfurt am Main, Birmingham, Glasgow) erstens für die jeweilige Stadt typische, wiederkehrende Muster zu identifizieren. Zweitens werden die Ergebnisse der Projekte unter der theoretischen und methodologischen Fragestellung zusammengeführt, ob und wie durch die verschiedenen Praktiken hindurch eine eigenlogische Struktur der jeweiligen Stadt rekonstruierbar ist.

    

Laufzeit

05/2011 - 04/2012 Hypothesengenerierende Phase

05/2012 - 04/2013 Hypothesenprüfende Phase

05/2013 - 09/2016 Theoretische Integration der empirischen Ergebnisse

Ansprechpartner

Linda Hering

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
E-Mail:

Technische Universität Berlin
Fakultät VI: Bauen – Planen – Umwelt
Institut für Soziologie

Sekretariat FH 9-1
Fraunhoferstraße 33-36
10587 Berlin

Ehemalige Mitarbeiter

Dr. Lars Meier
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
E-Mail: 

Anna Laura Raschke
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
E-Mail: 

Veröffentlichungen

Baur, Nina/Löw, Martina/ Hering, Linda/Raschke, Anna Laura/Stoll, Florian (2014): Die Rationalität lokaler Wirtschaftspraktiken im Friseurwesen. Der Beitrag der „Ökonomie der Konventionen“ zur Erklärung räumlicher Unterschiede wirtschaftlichen Handelns. In: Bögenhold, Dieter (Hg.): Soziologie des Wirtschaftlichen: Alte und neue Fragen.

Meier, Lars/Griem, Julika (2014): Beim Frisuer in Glasgow. In: Frank, Sybille/Gehring, Petra/Griem, Julika/Haus, Michael (Hg.): Städte unterscheiden lernen. Zur Analyse interurbaner Kontraste. Frankfurt am Main, Campus.

Baur, Nina/Hering, Linda (2016): Konventionen und Wirtschaftskrisen. Zur Wahlverwandtschaft zwischen lokalen Wirtschaftspraktiken und wirtschaftlichen Entwicklungspfaden. Beitrag auf dem 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie "Routinen der Krise – Krise der Routinen" (im Erscheinen als Onlineressource auf der DGS Homepage)

Baur, Nina/Hering, Linda/Löw, Martina/Raschke, Anna Laura (2014): Tradition, Zukunft und Tempo im Friseursalon. In: Frank, Sybille/Gehring, Petra/Griem, Julika/Haus, Michael (Hrsg.): Städte unterscheiden lernen. Zur Analyse interurbaner Kontraste. Birmingham, Dortmund, Frankfurt, Glasgow. Frankfurt, New York: Campus.

Baur, Nina (2013): Praktiken des Haareschneidens. Verankerung von Wissen in ökonomischen Konventionen auf dem Friseurmarkt. In: SozBlog. Das Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Quelle: http://soziologie.de/blog/?p=1736 am 16.04.2013

Baur, Nina (2013): Was ist eigentlich ein Markt? In: SozBlog. Das Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Quelle: http://soziologie.de/blog/?p=997  am 13.03.2013

Baur, Nina (2013): Deutsche Wirtschaftsregionen. Über die Regionale Variation der Lebens-chancen in Deutschland. In: SozBlog. Das Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Quelle: http://soziologie.de/blog/?p=1223 am 25.03.2013

Baur, Nina (2013): Raum ist nicht (nur) sozial konstruiert. Globalisierung und die räumliche Differenzierung der Produktionskette (Differenzierung 4). In: SozBlog. Das Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Quelle: http://soziologie.de/blog/?p=1353 am 18.03.2013

Baur, Nina (2013): Globale Unternehmen und lokale Lebensverhältnisse. Der Einfluss der räumlichen Organisation der Produktion auf die Gesellschaft. In: SozBlog. Das Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Quelle: http://soziologie.de/blog/?p=1558 am 10.04.2013

Baur, Nina (2013): Frische Lebensmittel. Qualitätskonventionen und die Organisation der Kühlkette in den USA, Deutschland und Asien. In: SozBlog. Das Blog der Deutschen Gesell-schaft für Soziologie. Quelle: http://soziologie.de/blog/?p=1987 am 28.04.2013

Quermann, Anna Laura/Hering, Linda (2012): Lokale Konventionen des Friseurwesens. Gefühlsmanagement und Vereinbarkeit von Beruf und Privatem in einem Frauenberuf. In: Das frauenpolitische Forum an der TU Berlin WS12, S. 16-17 (PDF, 511,2 KB)

Löw, Martina (2012): The Intrinsic Logic of Cities. Towards a New Theory on Urbanism. Angenommen zur Publikation im Journal Urban Research & Practice. Online Vorabveröffentlichung des Journals: 05. Oktober 2012

Baur, Nina/Akremi, Leila (2012): Lebensstile und Geschlecht. In: Rössel, Jörg/Otte, Gunnar (Hg.): Lebensstilforschung. Sonderheft 51 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS). Wiesbaden: VS-Verlag, 269-294.

Löw, Martina/Terizakis, Georgios (Hg.) (2011): Städte und ihre Eigenlogik. Ein Handbuch für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Frankfurt a.M./New York. Campus.

Löw, Martina/ Quermann, Anna Laura (2011): Mannheim – Weltoffenheit vor Ort. In: Stadtforschungsschwerpunkt der Technischen Universität Darmstadt (Hrsg.): Die Mannheim Studie. Zur Eigenlogik Mannheims.

Baur, Nina (2010): Mixing Process-Generated Data in Market Sociology. In: Quality & Quantity. DOI 10.1007/s11135-009-9288-x. ISSN 1573-7845.

Löw, Martina: Pre-structured Urban Development Opportunities – The theoretical idea of an intrinsic logic of cities and European case studies. In: Studies in Urban Humanities, Volume 1, No. 2, 2009, Edited by IUH (Institute for Urban Humanities) The University of Seoul, p. 135–153.

Löw, Martina (2008): A city’s own logic. The perspective of spatial sociology on urban theory. In: Jolanta Bielanska u.a. (Hg.): Konzepte und Handlungen (urban potentials). Berlin: Jovis, S. 280-286.

Löw, Martina (2008): Soziologie der Städte. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Berking, Helmuth/Löw, Martina (Hg.) (2008): Die Eigenlogik der Städte. Frankfurt am Main: Campus.

Otte, Gunnar/Baur, Nina (2008): Urbanism as a Way of Life? Räumliche Variationen der Lebensführung in Deutschland. In: Zeitschrift für Soziologie 37 (2), S. 93-116.

Baur, Nina (2008): Markt. In: Baur, Nina/Korte, Hermann/Löw, Martina/Schroer, Markus (Hg.): Handbuch Soziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 273-294.

Löw, Martina (2007): Metropolen zwischen Homogenisierung und Heterogenisierung. In: Internationale Bauausstellung IBA Hamburg GmbH (Hg.): Metropole: Reflexionen. Berlin: jovis Verlag, S. 96-109.

Berking, Helmuth/Löw, Martina (Hg.) (2005): Die Wirklichkeit der Städte. Sonderband 16: Soziale Welt, Baden-Baden: Nomos.

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