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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Methoden der Prozessanalyse und der Innovationsforschung

1. Verlaufsmusteranalyse. Methodologische Konsequenzen der Zeitlichkeit sozialen Handelns. Eine Synopse

Ausgehend von der Beobachtung, dass Zeit neben Raum eine zentrale Kategorie der Soziologie ist, befasst sich Nina Baur (2005) mit der Frage, welche Forschungsmethoden die Soziologie benötigt, um Verlaufsmuster (also Regelmäßigkeiten sozialen Handelns und deren Wandel) empirisch adäquat zu erfassen. In Teil I diskutiert Baur, wie Soziologen und Historiker mit der Zeitlichkeit sozialen Handelns umgehen. Das Ergebnis ist, dass theoretische Erkenntnisse der Soziologie und der Geschichtswissenschaft zusammengeführt werden müssen, um Verlaufsmuster adäquat erfassen zu können. Auf Basis dieser Überlegungen entwickelt Baur in Teil II einen Bezugsrahmen, mit dem man – ausgehend vom Primat des methodologischen Individualismus – auf kollektive Handlungsmuster zugreifen kann. Dieser umfasst vier Dimensionen:

Forscher müssen, so das Argument, ihre konkrete Forschungsfrage in dieser Matrix verorten, um entscheiden zu können, wie sie Daten erheben und ordnen sollen, sowie mit Hilfe welches Verfahrens die Daten ausgewertet werden sollen.

Mit Hilfe des Bezugsrahmens untersucht Baur in Teil III wichtige, in Soziologie und Geschichtswissenschaft entwickelte Methoden daraufhin, ob sie zur Erfassung von Verlaufsmustern geeignet sind. Sie skizziert jedes Verfahren in seinen Grundzügen und erläutert sein theoretisches Potential für die Verlaufsmusteranalyse anhand eines empirischen Beispiels. Diskutiert werden aus dem Bereich der quantitativen Sozialforschung die Kohorten-, Zeitreihen-, Ereignis- und Sequenzanalyse sowie die Erweiterung multivariater Verfahren um eine Zeitkomponente, aus dem Bereich der qualitativen Sozialforschung Grounded Theory, die biographische Methode, die Fallstudienmethode sowie historische qualitative Verfahren.

Das Ergebnis der Arbeit ist, dass für fast alle theoretisch relevanten soziologischen Fragestellungen ein adäquates Auswertungsverfahren existiert. Allerdings sind hierzu eine stärkere Vernetzung soziologischer und historischer Methoden sowie ein Methodenpluralismus sowohl innerhalb des qualitativen bzw. quantitativen Paradigmas, als auch zwischen den Paradigmen erforderlich.

Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem

  • Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) für eine der zwei besten sozialwissenschaftlichen Dissertationen in Deutschland zwischen 2004 und 2006,
  • E.ON Kulturpreis Bayern für die beste Dissertation and der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Studienjahr 2004/2005 (2004: 51 Dissertationen / 2005: 67 Dissertationen in Bamberg).

2. Beschreibung des Forschungsschwerpunkts

Das Fachgebiet setzt im Rahmen der Verlaufsmusteranalyse die Entwicklung von Methoden zur Erfassung einzelner sozialer Prozesse fort und entwickelt diese derzeit in Richtung „Methoden der Innovationsforschung“ weiter. Die Methoden der Innovationsforschung bringen eine zusätzliche Ebene hinzu, da sich das Neue nur durch Prozessvergleiche erfassen lässt. Im Bereich der Auswertungsverfahren ist hier eine Verknüpfung der sozialwissenschaftlichen Methoden der Längsschnittsanalyse mit Verfahren aus den Wirtschaftswissenschaften und der Informatik geplant. Im Bereich der Daten soll erprobt werden, inwiefern prozessgenerierte Daten (etwa Akten, Filme) eine Alternative zu herkömmlichen Daten (Befragung, Beobachtung) bieten können.

3. Ausgewählte Publikationen

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